Zuschaueranfragen: Sender schweigen

Einen interessanten Erfahrungsbericht eines Zuschauer des SWR druckt die Medienkorrespondenz ab. Der Zuschauer, Herr Ladeur – selbst Rundfunkrechtler – hatte angefragt, ob der SWR nicht eine Sendung des norwegischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens übernehmen könne, die ihm sehr gefallen hat.  Das war vor zwei Jahren. Ladeur bezog sich auf das Recht, das Zuschauern einräumt, Eingaben zu machen und das in den Rundfunkstaatsverträgen mehr oder weniger deutlich dargestellt ist.

„Die Möglichkeit, Eingaben zu machen, dient nicht dem Interesse Einzelner, sondern der Gewährleistung der Programmvielfalt. Dies ist das Grundprinzip des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. In der einen oder anderen Weise muss sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Beantwortung von Anregungen (und von ähnlichen Anliegen) über sein Programm erklären, damit einseitige Festlegungen vermieden oder jedenfalls möglichst nicht zu leicht verborgen werden können.“

Es kamen bis heute lediglich standardisierte Antworten zurück und keine Begründung für oder wider den Beitrag. Womöglich sitzen die Sender das einfach aus. Dies wäre wohl nicht verfassungsgemäß, Ladeur spricht vom „Pjöng-Jang-Verfahren“. Öffentlich-rechtliche Sender hätten sich, anders als Privatunternehmen, gegenüber dem Zuschauer zu erklären.

Ein weiterer Faktor wie die Sender Zuschauer effektiv auf Distanz halten, ohne angreifbar zu sein ist das Thema Transparenz. Wenn wir beim Beispiel SWR bleiben: er veröffentlicht zwar seinen Geschäftsbericht, um offen zu legen für was der Rundfunkbeitrag ausgegeben wird. Doch selbst der SWR Sprecher räumt im Interview mit der Stuttgarter Zeitung ein, dass die Daten nur von Fachleuten zu durchschauen sind.

11. Januar 2017 von Christine Horz
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

#blackfacing: #SWR antwortet auf Beschwerde des #Publikumsrat

Der SWR Fernsehdirektor Dr. Christoph Hauser hat auf unsere Programmbeschwerde geantwortet. Es ging dabei um eine Sendung von Verstehen Sie Spaß? in der die rassistische Praxis des Blackfacing vorkam.

Hausers Antwort stellt uns nicht zufrieden, da der unreflektierte Umgang mit Rassismus im SWR offenbar bis in die Spitze des Managements reicht, s. hier: swr_antwort

Deshalb bitten wir den Rundfunkrat in einem weiteren Schreiben, darum, über das Thema zu beraten, s. hier: swrantwort-auf-hauser_

16. Dezember 2016 von Christine Horz
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

#DeutscheWelle: Beschwerde wegen einseitiger Berichterstattung

Bei der Deutschen Welle (DW) handelt es sich nicht um einen öffentlich-rechtlichen Sender, sondern um den deutschen Auslandssender, der laut DW Gesetz nur im Ausland und nicht im Inland ausgestrahlt werden darf. Weil DW aber mittlerweile online auch hierzulande zu empfangen ist – u.a. mit der Begründung, dass die Geflüchteten formal zum Ausland gehören würden, so dass sie Adressaten von DW sind – und der Sender aus Steuergeldern finanziert wird, befassen wir uns an dieser Stelle mit einer Beschwerde an DW. Konkret geht es um einen Bericht über die Verleihung des Internationalen Demokratiepreises an die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. DW sparte bei seiner Berichterstattung die Proteste von attac aus. Die globalisierungskritische Organisation hatte Frau Mogherini während des Festakts am 11. November in Bonn den Goldenen Panzer verliehen. Entgegen der Laudatio von Martin Schulz, der Frau Mogherini für ihr Bestreben um Demokratie, Frieden und Menschenrechten lobte, macht der Negativpreis auch auf die  Militarisierung der Migrationskontrolle im Mittelmeer durch die Operation Sophia sowie die antidemokratischen Konsequenzen von Freihandelsabkommen wie #TTIP und #CETA aufmerksam, die Mogherini ebenfalls mitverantwortet.

12. Dezember 2016 von Christine Horz
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

#ZDF: 9.12. öffentliche Fernsehratssitzung

Der Fernsehrat, das Aufsichtsgremium des ZDF, tagt am 9.12.2016 ab 9.00 Uhr morgens.

Die Sitzung ist öffentlich, das Publikum kann zumindest auf der Zuschauerbank teilnehmen.

 

08. Dezember 2016 von Christine Horz
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

#ARD führt Qualitätsmanager unter Berücksichtigung von Zuschauerbeschwerden ein

Im kommenden Jahr will die ARD Aktuell Redaktion, die auch tagesschau und tagesthemen verantwortet, die Stelle eines Qualitätsmanagers (ist es wieder ein Junge?) einführen, wie heise.de berichtet. Diese/r solle die Zuschauerkritik in der redaktionellen Arbeit berücksichtigen. Das ist sehr begrüßenswert und es bleibt zu hoffen, dass er oder sie nicht nur dazu da ist, Zuschauerbeschwerden abzublocken, sondern aus dem Wust an Zuschriften die konstruktive Kritik in die Redaktion vermittelt. Er/Sie sollte seine/ihre Arbeit transparent machen und auch den Kontakt mit dem Publikum suchen.

ARD Aktuell bekommt nach Aussage des Chefredakteurs Kai Gniffke täglich 200 Kommentare per Mail, 2000 Kommentare via tagesschau.de und 8000 Posts auf Facebook. Gniffke bemängelte während einer Vorlesungsreihe an der Universität Hamburg, dass viele Zuschauerkommentare „Hassreden“ seien. Sie würden eher schwarz-weiß argumentieren.

Wenn dem so ist, müssten sich Zuschauer und Zuschauerinnen auch an die eigene Nase fassen – Medienkritik ist wichtiger denn je. Sie sollte aber so formuliert sein, dass eine inhaltliche Debatte geführt werden kann. Denn nur sie trägt dazu bei, dass sich etwas ändert und dem Publikum auch zugetraut wird, mehr Mitverantwortung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu übernehmen.

 

08. Dezember 2016 von Christine Horz
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

#Programmbeschwerde: GEW Erlangen sieht Programmgrundsätze bei TTIP Berichterstattung verletzt

Die GEW-Erlangen hat eine Programmbeschwerde an die ARD geschickt, weil sie die Programmgrundsätze durch die Berichterstattung über die TTIP-Proteste verletzt sieht. In der Tagesschau, 20 Uhr, der meistgesehenen Nachrichtensendung in Deutschland, wurde am 17.09.2016 in der Anmoderation von „zehntausendfachem“ Protest gesprochen. Tatsächlich nahmen an den Großdemonstrationen gegen das Freihandelsabkommen in über 7 Städten aber zwischen 200.000 (Polizeiangabe) und 320.000 (Veranstalter) Menschen teil. Der GEW-Erlangen kritisiert die Diskrepanz zwischen „Zehntausenden“ und mehreren hunderttausend TeilnehmerInnen als tatsachenwidrig. Interessant ist die Antwort des NDR-Chefredakteurs Aktuelles, Kai Gniffke.

„Angesichts der laut Polizeiangaben gesicherten Teilnehmerzahl von rund 200.000 hätte auch die Möglichkeit bestanden, von ‚Hunderttausenden Demonstranten‘ zu sprechen. Diese Formulierung hätte aber eine tatsächliche Zahl von 500.000 oder mehr suggeriert. Die Redaktion hat sich bei der Abwägung entschieden, die sichere Formulierung ‚Zehntausende“ zu verwenden und gleichzeitg die Schätzungen der Veranstalter ausdrücklich zu nennnen“.

Wie Herr Gniffke darauf kommt, dass Hunderttausende „500.000 oder mehr“ suggerieren, und warum er die Formulierung „Zehntausende“ trotz bestätigter Polizeiangaben von 200.000 für „sicher“ hält, hat er nicht verraten.

 

 

 

01. Dezember 2016 von Christine Horz
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

#koelnhbf: Studie zur Berichterstattung von ARD und ZDF

Die Kommunikationswissenschaftlerin Ricarda Drüeke hat für das Gunda-Werner-Institut für Feminismus sowie die Heinrich-Böll-Stiftung die erste wissenschaftliche Studie zur Berichterstattung von ARD und ZDF über die Kölner Silvesternacht vorgelegt. Drüeke macht darin drei problematische Themenfelder der Berichterstattung aus. Erstens, die Konstruktion einer Tätergruppe, wodurch Sexismus und sexualisierte Gewalt mit einer Herkunftskultur verknüpft werden. Zweitens, die vielen Leerstellen – also unbeantworteten und fragliche Details der Vorkommnisse. Darunter z.B. dass Sexismus als weitverbreitetes, strukturelles Phänomen nicht thematisiert wird und das Fehlen kritischer Stimmen in den Berichten von ARD und ZDF. Drittens, der Einsatz der visuellen Mittel in den Nachrichtensendungen von ARD und ZDF, der sich fast ausnahmslos auf wenige Handyvideos stützte, auf welchen lediglich große Menschenansammlungen zu erkennen waren. Personen, die sich zu den Vorfällen äußerten waren meist Repräsentanten von Polizei und Politik, Opfer kamen so gut wie nicht zu Wort, so dass Polizisten und Politiker die Deutungsmacht in den Nachrichtensendungen hatten.

Die quantiative und qualitative Studie zeigt viele offene Fragen auf. So dient als angeblicher Beweis der Taten ein handgeschriebener Zettel.

Als mögliche Lösungen werden die Taten bei ARD und ZDF nicht etwa in den größeren Zusammenhang von Sexismus und sexualisierter Gewalt in Deutschland gebracht und wie dem zu begegnen ist. Vielmehr legen die Nachrichtenformate der beiden Fernsehsender in Anlehung an rechts-konservative Politiker die Verknüpfung von sexualisierten Übergriffen und Bleiberecht nahe. Als einizige politische Lösung wird die schnelle Abschiebung diskutiert –  weil, so suggerieren es tagesschau und heute, sexualisierte Gewalt eben nur vom „anderen“ Mann ausgeübt werden kann. Sie sitzen damit einem rassistischen Zirkelschluss auf, den sie selbst mit konstruiert haben.

Am Ende verweist Drüeke auf die Verantwortung des Journalismus.  Dazu gehören ethische Maßgaben sowie die Sorgfaltspflicht – aber nicht die Homogenisierung, Abwertung und Kulturalisierung von Menschen. Sie fordert, dass ARD und ZDF auch die kritische Netzöffentlichkeit, NGOs und Wissenschaftler zu Wort kommen lassen, damit die Bandbreite der Berichterstattung größer wird. Dadurch erhielte das Publikum die Möglichkeit, sich durch zusätzliche, kritische Stimmen zu informieren, so dass künftig einseitige und rassistische Berichterstattungsmuster vermieden werden können.

28. November 2016 von Christine Horz
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

Studie: Starke öffentlich-rechtliche Medien fördern Vertrauen in Mediensystem

Das Reuters Institut in Oxford hat in seinem Digital News Report, einer international vergleichenden Studie mit 26 Ländern, herausgefunden, das ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk das Medienvertrauen fördert.

Das Schweizer Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft fög , welches die Daten für die Schweiz aufbereitet hat, schreibt:

„Über alle Länder hinweg hat vor allem die Nutzung des öffentlichen Rundfunks einen besonders positiven Einfluss auf das Mediensystemvertrauen.“

Mit dem Vertrauen in öffentlich-rechtliche Medien steigt gleichzeitig die Zahlungsbereitschaft für News sowie die Toleranz gegenüber Werbung. Somit stärkt der traditionell werbeärmere öffentlich-rechtliche Rundfunk auch die kommerziellen Medien und damit das Medienvertrauen in das gesamte Mediensystem. Für Deutschland wurden die Daten vom Hans-Bredow-Institut aufbereitet. Schon 2015 gehörte Deutschland zu den Ländern mit dem höchsten Medienvertrauen.

„Im Ländervergleich zeigt sich außerdem, dass das Vertrauen in die Medien in Ländern mit einem starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk am größten ist. An der Spitze liegt Finnland, wo zwei Drittel der Befragten angaben, den Nachrichten prinzipiell zu vertrauen, in Deutschland sind es 60 Prozent, während das Vertrauen in den USA (32%), Spanien (34%) und Italien (35%) deutlich geringer ist.“

Das Medienvertrauen sinkt mit zunehmender Nutzung von Social Media als Informationsquelle. Da Jüngere verstärkt zu sozialen Netzwerken als Informationsquelle tendieren, ist in diesem Befund ein Genenrationeneffekt eingeschrieben, der auch für Deutschland beobachtet werden kann. In Deutschland gilt jedoch die Besonderheit, dass nach wie vor über 80% der Newssucher dem Fernsehen vertrauen.

Menschen an den Rändern des politischen Spektrums misstrauen den Medien eher, hier vor allem am rechten Rand.

Die European Broadcasting Union, EBU hat in einer eigenen Untersuchung dargestellt, dass das politische Spektrum am rechten Rand dort schwächer ist, wo es einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt. Die EBU stellt hier jedoch keinen Kausalzusammenhang her, sondern verweist auf Wechselwirkungen .

18. November 2016 von Christine Horz
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

Mehr Transparenz bei ARD und ZDF gefordert

Während des „Mainzer Medien Disputs“ in Berlin fordern prominente Medienrechtler mehr Transparenz bei ARD und ZDF, wie der Branchendienst  epd-medien berichtet. Dieter Dörr von der Universität Mainz stellte fest, dass in der aktuellen Medienwelt der öffentlich-rechtliche Rundfunk mehr denn je gebraucht würde, um demokratische Werte in eine sich weiter ausdifferenzierende Gesellschaft zu vermitteln.

Allerdings müssen ARD und ZDF beim Thema Transparenz deutlich nachlegen. Zunächst sollten sie begreifen, dass sie als öffentlich-rechtliche Anstalten keine Unternehmen seien – und deshalb Transparenzpflicht bestünde. Insbesondere gelte das für die Sportrechte, deren Kosten nicht vollständig über Werbung refinanziert werden können. Da die Zuschauer*innen durch ihre Rundfunkbeiträge beispielsweise die Champions League mit 10 Mio. Euro mitfinanzieren, bestünde ihnen gegenüber Rechenschaftspflicht, so der Freiburger Staatsrechtler Friedrich Schoch.

Zudem sollten die veröffentlichten Daten vergleichbarer werden, so dass das Publikum mit der Transparenz auch etwas anfangen kann. Jörg Langer, der aktuell eine Studie vorbereitet verwies darauf, dass Sportrechte zwar 30 Prozen der Kosten aber nur 6 bis 7 Prozent der Sendefläche ausmachen. Diese Diskrepanz ist aber momentan für die Zuschauer*innen nicht in Zahlen nachvollziebar.

Somit ist eine der Hauptaufgaben der Sender umrissen, nämlich Transparenz zuschauergerechter zu gestalten. Denn gerade weil öffentlich-rechtliche Sender keine Unternhemen sind und weil sie eine öffentliche Aufgabe zu erfüllen haben, kann Transparenz als Teil des Bildungauftrags verstanden werden.

16. November 2016 von Christine Horz
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

#VerstehenSieSpass: Rassismus auf Sendung – wir protestieren!

In Samstagabend-Show „Verstehen Sie Spass“ wurde gestern zur besten Sendezeit der Beitrag gezeigt, in dem der Moderator Guido Cantz als Schwarzer geschminkt auftritt.  Bereits im Vorfeld hatte es massive Kritik seitens Schwarzer Deutscher Verbände aber auch der kritischen Zivilgesellschaft und seitens des Vereins zur Etablierung von Publikumsräten gegeben, da Blackfacing als kolonialrassistische Praxis entlarvt ist.

Alleine die Petition des Publikumsrat hat über 500 Petenten und Kommentare mobilisiert. Dass der Beitrag gestern dennoch ausgestrahlt wurde, irritiert auch deshalb, weil es in den vergangenen Jahren eine öffentliche Debatte um die Ächtung von Blackfacing sowie kolonilarassistischen Begriffen in Kinderbüchern gegeben hat.

Verschlimmert wurde die Situation durch die Rechtfertigung des Moderators Guido Cantz am gestrigen Samstag abend, den Beitrag trotz Kritik auszustrahlen. Dies trug zur weiteren Verharmlosung dieser rassistischen Praxis bei.

Wir reichen deshalb eine offizielle Beschwerde beim SWR Rundfunkrat ein. Den Text können Sie hier nachlesen und herunterladen: swr-beschwerde_2

Wir freuen uns, wenn Sie den Text als Vorlage für Ihre eigene Beschwerde nutzen!

30. Oktober 2016 von Christine Horz
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

← Ältere Artikel

Neuere Artikel →