#Freundeskreise: Offiziell oder inoffiziell?

Das Online Medienportal Übermedien macht anlässlich der ZDF-Fernsehratssitzung wiederholt auf das Phänomen „Freundeskreise“ in den Rundfunkgremien aufmerksam. Um was geht es dabei? Um „Schattenkabinette“, die nach parteipolitischen Lagern ausgerichtet sind. Im ZDF gibt es einen roten und einen schwarzen Freundeskreis. Jedes Gremienmitglied gehört einem an, auch die Neuen. Die mittlerweile nicht mehr so neue Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats hat das aber offenbar immer noch nicht verstanden (oder möchte es nicht preisgeben?!). Sie spielt jedenfalls die Bedeutung der Freundeskreise herunter. Tatsächlich werden dort aber wichtige Entscheidungen vorab gefällt, die dann in die Fernsehratssitzung getragen werden. Mit Widerstand ist dort in den meisten Fällen nicht zu rechnen.

Auch wenn es sich um interne Zirkel handelt – geworben wird für die regelmäßig vor Gremiensitzungen tagenden CDU Freundeskreise auf offiziellem Papier mit Bundesadlerlogo. Vorschlag: Die Freundeskreise behalten ihr Bundestags-Briefpapier. Im Gegenzug machen sie alle Themen vorab und alle Beschlüsse im Anschluß transparent. Außerdem ermöglichen sie demokratische Mitbestimmung von wechselnden Mitgliedern der Zivilgesellschaft und sie laden Journalist*innen zu ihren Sitzungen ein.

13. Juni 2017 von Christine Horz
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#ombudsmann III: Infobröschure zu Schweizer Ombudsleuten

Allen, die weiterhin Interesse an dem Modell der Schweizer Ombudsstelle für öffentlich-rechtliche Medien haben, sei die aktuelle Broschüre dieser Stelle empfohlen. Darin wird auf die Geschichte, das Verfahren und die Arbeitsweise eingegangen. Aus verschiedenen Perspektiven werden auch Effekte der Ombudsstelle beschrieben.

Übrigens: die Schweizer Ombudsstelle twittert regelmäßig, um Kontakt zum Publikum zu behalten.

Wie finden Sie die Arbeit der Ombudsstelle und ihre Vorgehensweise?

Würden Sie sich eine ähnliche Stelle in Deutschland wünschen und warum?

12. Juni 2017 von Christine Horz
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#ombudsmann II: so arbeitet der Ombudsmann des Schweizer Fernsehens

Die Ombudsstelle des Schweizer öffentlich-rechtlichen Rundfunks SRG nimmt Programmbeschwerden entgegen und bewertet sie.

Wir haben ein Beispiel verlinkt, um zu zeigen wie Roger Blum als Ombudsmann arbeitet. Zunächst nimmt er die Beschwerde einer Zuhörerin auf, die den Stil des Moderators in einer Interviewsendung kritisiert. Blum gibt dann der verantwortlichen Redaktion die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. Seine eigene Einschätzung ist unabhängig davon – er verweist u.a. auf wissenschaftlich erforschte Fragetechniken und Interviewstile von Journalisten. Was auffällt, ist das hohe Niveau des gesamten Vorgangs – von der Beschwerdeführerin bis hin zur ausführlich begründeten Ablehnung ihrer Beschwerde. Die Argumentation Blums lässt erkennen, dass er ganz andere Erklärungsansätze sucht, als die Redaktion. Dies lässt den Schluß zu, dass er in vergleichbaren Fällen durchaus zu gegenteiligen Einschätzungen wie die Redaktion kommen kann.

Wir plädieren dringend für die Einrichtung von Ombudsstellen für öffentlich-rechtliche Medien in Deutschland, die mit ähnlich hochqualifizierten Personen besetzt sind und als unabhängige Mittler zwischen Publikum und Sendeanstalten agieren. Eine Ombudsstelle hat vielfältige positive Effekte für das Publikum – und für die Sender selbst. Das Publikum lernt sehr viel aus den Antworten, es wird vor allen Dingen ernst genommen! Die Sender schaffen Nähe zum Publikum und werden ihrem Bildungsauftrag gerecht, in dem sie Einblicke in professionelle Spielregeln geben.

07. Juni 2017 von Christine Horz
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#ombudsmann bei der BILD: alles super!

Die Initiative für einen Publikumsrat plädiert seit ihrer Gründung für die Einrichtung unabhängiger Ombusstellen, Publikumsbeauftragte für die öffentlich-rechtlichen Sender ARD, ZDF und Deutschlandradio. Radio Bremen ist die einzige Anstalt, die eine Ombudsstelle hat. Sie wird derzeit von Gesine Reichstein besetzt. Die Ombudsfrau nimmt Rückmeldungen der Zuschauer entgegen und bündelt diese in einem vierteljährlichen Bericht – wobei dieser nicht-öffentlich ist.

In der Medienlandschaft gibt es wenige weitere Beispiele, wie der Ombudsmann der BILD-Zeitung. Er feiert aktuell die ersten hundert Tage seines Amtes. Über 2000 Leserhinweise hat er seither bekommen.  Vorläufige Bilanz: Ombudsmann Ernst Elitz findet alles super bei der BILD. Publikumskritik wurde weitgehend als unbegründet abgelehnt. Wirklich? In 2000 Zuschriften soll nicht eine Rückmeldung sein, die begründet war? Der medienkritische BILDBlog weist auf zahlreiche Beispiele hin, wo BILD offenbar in der Berichterstattung kritikwürdig ist. Doch Elitz ist nicht unabhängig, sondern teil der Redaktion. So lässt sich dann wohl erklären, dass die Leserkritik von ihm samt und sonders abgeschmettert wird.

Aus der RadioBremen Publikumsstelle sowie dem BILD Ombudsmann lassen sich zwei zentrale Aspekte ablesen, was eine Ombudsstelle im Idealfall auszeichnen sollte:

  • sie sollte möglichst unabhängig sein, also weder Teil der Redaktion noch eines Senders
  • sie sollte transparent arbeiten, also Berichte veröffentlichen, so dass das Publikum nachvollziehen kann, welche Fragen und Kritik andere Nutzer vorbrachten

Dass dies keine Utopie ist, belegt die Schweiz. Dort gibt es eine Ombudsstelle für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk SRG. Wer mit der Entscheidung nicht einverstanden ist, kann einen rechtskräftigen Entscheid bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz erwirken.

Ein nachahmenswertes Modell, wie wir finden.

 

02. Juni 2017 von Christine Horz
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#ARD: Sag’s mir ins Gesicht – Journalisten suchen Dialog

Mit dem Experiment „Sag’s mir ins Gesicht“ stellen sich ARD-Journalist*innen derzeit dem Online-Publikum. Sie versuchen so mit der wachsenden Zahl der Hatespeach im Netz in Kontakt zu kommen, die die Journalisten immer heftiger und unverblümter attackieren. Sie wollen herausfinden, ob die Kommentatoren genauso hetzen, wenn sie den Journalist*innen im Skype-Interview auf Facebook gegenüber sitzen.

ARD-Aktuell Chefredakteur Kai Gniffke machte den Anfang, gefolgt von Anja Reschke. Bislang blieben die zugeschalteten Zuschauer mit ihren Äußerungen relativ sachlich, einige deuteten auf Versäumnisse der ARD Redaktionen hin. Bei anderen Zuschauern wird deutlich, dass sie ein verqueres Verhältnis zu Demokratie und Meinungspluralismus haben und ihnen nicht klar ist, das Medien auf einem Konstruktionsprozess beruhen und nicht die eine einzige Wahrheit, die es ohnehin nicht gibt, darstellen.

Inhaltlich liefern die Gespräche dennoch zahlreiche Ansatzpunkte für die Verbesserung der Berichterstattung, wie die Kritik eines Zuschauers, dass die Nationalsozialisten auf dem Maidan nicht als solche benannt wurden, sondern als Ultranationalisten, wie Gniffke sagte. Auch wenn der Unterschied fein ist, so ist er doch deutlich, denn die genannten paramilitärischen Gruppen schmücken sich mit Nazi-Symbolik- und mit der entsprechenden Ideologie. Hier sollte der öffentlich-rechtliche Journalismus sich aktiv mit den Nachrichtenfaktoren auseinanderzusetzen – und manches Mal deutlich mehr Distanz zur Tages- und Weltpolitik zu suchen, um ihre Funktion als Kontrollorgan der Politik wieder besser ausfüllen zu können. Womöglich ist das aber eine naive Vorstellung, die systemische Aspekte ausblendet, denn Journalismus lebt von Aktualität. Und wenn gerade nichts los ist, suchen sich Journalisten eben ein Thema.

Das Einstehen für Menschlichkeit ist ein Wert, der gerade in der Flüchtlingsberichterstattung wichtig ist. Dieser Bereich sorgt für sehr viele Hasskommentare seitens der Nutzer.  Manches Mal gehen den Journalist*innen die Argumente aus, was sicher dem Live-Charakter geschuldet ist, aber an Stellen auch schade. Beispiel: Kriminalität von Geflüchteten. Hier wäre der Hinweis gut gewesen, dass Migranten bei Delikten straffällig werden, die Deutschstämmige gar nicht begehen können, z.B. wenn sie gegen asylrechtliche Bestimmungen verstoßen oder wenn in beengten Unterkünften Schlägereien eskalieren.

Heute abend um 19 Uhr geht es weiter mit Isabel Schayani (WDR) – sehr mutig, da Studien belegen, dass (weibliche) Journalist*innen mit Migrationsgeschichte noch viel stärker von Hasskommentaren im Netz betroffen sind als andere.

Das Format an sich ist ein guter Anfang für mehr Publikumsdialog. Er sollte aber nicht soweit führen, dass die Sender bei Grundwerten Zugeständnisse an die Hasser machen.

 

30. Mai 2017 von Christine Horz
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#Rundfunkbeitrag: Verlust durch Millionenbetrug

Ein Patentanwalt hat das Institut für Rundfunktechnik (IRT) um etwa 100 Millionen betrogen. Die Mittel sollten eigentlich dem Institut für Patentrechte auf seine Audio- und Video-Erfindungen zugestellt werden. Der Coup kam zufällig ans Licht. Der Investigativjournalist Klaus Ott gibt im Interview mit dem Medienmagazin ZAPP  zu bedenken, dass der Betrag letztlich ARD und ZDF und vor allem die Beitragszahlenden schädigt, weil das IRT zuletzt mit 80 % aus Rundfunkbeiträgen finanziert wurde.

Seine Kritik richtet sich denn auch an die Kontrollgremien der öffentlich-rechtlichen Sender – diese hätten (mal wieder) versagt. Völlig zu Recht fordert er einen sorgsameren Umgang mit den Beitragsgeldern. Der Justiziar des Bayerischen Rundfunks (BR), dem das IRT zugeschlagen ist, will nun versuchen, so viel Geld wie möglich zurückzuholen.  Das ist das mindeste, doch viel wichtiger wäre es, in den Häusern Experten zu beschäftigen, die über das gleiche Know-How verfügen wie die mit der Durchführung von Geschäften betrauten Patentanwälte außerhalb der Häuser. Nur so ist effektive Kontrolle möglich. Dafür können dann gerne Rundfunkbeiträge ausgegeben werden.

 

15. Mai 2017 von Christine Horz
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#ZDFFernsehrat: eher nicht öffentlich

Der Transparenz des ZDF Fernsehrats sind enge Grenzen gesetzt. Das Neu-Mitglied Leonhard Dobusch, Wirtschaftswissenschaftler, kritisiert im Interview, das der Deutschlandfunk während der re:publica führte,  dass Ausschusssitzungen geheim tagen und das sogar aus den öffentlichen Sitzungen heraus weder Ton noch Bild nach außen dringen darf. Dobusch twittert trotzdem. Er interpretiert das Verbot so, dass er ja kein Gast ist, sondern Mitglied. Im Interview bietet er weitere Einblicke.

„Fernsehratsmitglieder werden nicht als Gesprächspartner auf Augenhöhe akeptiert“

Seit einem Jahr ist er nun drin, im neu zusammengesetzten Gremium und er erkennt zwei unterschiedliche Kulturen: die einen, die gerne alles beim alten belassen würden. Als Beispiel nennt Dobusch die Debatten um Programmbeschwerden des Publikums, die seines Erachten notwendig aber zu defizitorientiert seien. Die Neu-Mitglieder würden hingegen gerne innovativ nach Vorne denken und Neues ausprobieren. Konkret schlägt Dobusch die Idee eines öffentlich-rechtlichen Internets vor. Dies könnte in Kooperation mit nicht-kommerziellen Plattformen wie Wikipedia gelingen – ein Vorschlag, der in jüngster Zeit öfter zu hören ist, wenn es um eine Zukunftsvision für die Öffentlich-Rechtlichen geht.

Der hohe Formalisierungsgrad der Freundeskreise im ZDF Fernsehrat verwundert Dobusch dann doch. Jeder Vertreter ist Mitglied in einem, insgesamt gibt es zwei Freundeskreise. Einen roten und einen schwarzen – nach der Farbe der Parteiausrichtung. Er selbst ist im roten Freundeskreis. Auch wenn darin sowie in den Ausschussitzungen die wichtigen Entscheidungen gefällt werde – das Neu-Mitglied Dobusch hat nicht den Eindruck, dass man mit dem ZDF Management als Gesprächspartner auf Augenhöhe akzeptiert wird.

 

13. Mai 2017 von Christine Horz
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#Rundfunkbeitrag: wie setzt er sich zusammen und für was wird er ausgegeben?

96% der Einnahmen aus den Rundfunkbeiträgen, die der ARD zur Verfügung stehen, fließen ins Programm, so der ARD-Finanzexperte Ralf Ludwig in einem Interview mit dem Tagsspiegel. Die ARD bekommt 5,6 Milliarden Euro zugewiesen, zudem wird sie in der Gebührenperiode bis 2020 einen Überschuss von 242 Millionen Euro erzielen, der sich aber nach Abzug einer Rücklagensumme zu einem Minus von 139 Millionen summiert. Diese Rücklagen werden gebildet, damit die Beitragshöhe für die Haushalte auch über 2020 hinaus stabil bleiben kann. Die KEF, die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Sender, hat dabei zu berücksichtigen, dass die Öffentlich-Rechtlichen in jedem Fall genug Geld zugewiesen bekommen, damit sie ihren verfassungsmäßigen Auftrag erfüllen können.

In dem interessanten Interview werden wichtige Fragen erläutert, wie auch jene, ob die durch Gebührengelder finanzierten Medien nicht viel zu viele Gebührengelder für die Altersversorgung aufwenden. Nach Berechnungen von Heiko Hilker lag die Höhe der gesamten Aufwendungen für die Altersversorung der ARD im Jahr 2014 bei 950 Millionen Euro. Die Mitarbeiter der ARD müssen aktuell eine Abschlagszahlung leisten, so dass sie sich an der Finanzierung zukünftiger Altersbezüge beteiligen. Weitere Reformschritte sind geplant und werden derzeit mit den Gewerkschaften verhandelt.

Insgesamt gibt das Interview einen spannenden und vor allem gut verständlichen Einblick in die komplexe Rundfunkfinanzierung und beleuchtet auch die Rolle der KEF bei der Bestimmung der Beitragshöhe.

 

02. Mai 2017 von Christine Horz
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#Medienvertrauen auf Langzeithoch?

Laut einer aktuellen Studie ist das Vertrauen in die Medien so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Kim Otto, Professor für Wirtschaftsjournalismus an der Universität Würzburg und sein Mitarbeiter Andreas Köhler, werteten Sekundärdaten des Eurobarometers aus, so Telepolis. Die Studie selbst ist online noch nicht verfügbar. Demnach hat auch das Medienvertrauen an den politischen Rändern zugenommen. Allerdings wird nicht ganz klar, auf was sich die Daten genau beziehen. Telepolis zitiert eine Pressemeldung und eine BR Meldung, wonach 55,7 % der Deutschen der „Presse“ vertrauen würden „- gemeint sind Radio, TV und Printmedien – , nur 38,8 Prozent misstrauen ihr“. Dass Presse nun synonym mit Medien gesetzt wird verwundert. Die Daten zu den Einzelmedien helfen nur bedingt weiter: demnach steht das Radio an erster Stelle mit 67,8% Vertrauen, das Fernsehen nimmt Platz zwei ein mit 60,5% Vertrauen, wobei beide um 6 bzw. 7 Prozentpunkte seit der Vorjahresmessung zugelegt hätten.

Nun wissen wir aber noch nicht, ob sich hinter den Einzelmedien öffentlich-rechtliche oder kommerzielle Sender verbergen. Macht es einen Unterschied? Ganz sicher, sagt eine Metastudie des ARD-Forschungsdienstes, die aktuelle wissenschaftliche Befunde zitiert: öffentlich-rechtlichen Medien, vor allem den Nachrichten, wird stärker vertraut als dem kommerziellen Rundfunk und vor allem den sogenannten sozialen Medien. Einige der zitierten Studien stellten einen Querschnitt der Bevölkerung zusammen oder befragten Meinungsführer, die insgesamt stärker den öffentlich-rechtlichen Medien zuneigen. In einer repräsentativen Studie von über 1600 Personen zwischen 18 und 74 wurden die öffentlich-rechtlichen Nachrichten insgesamt als ausgewogener als andere Medien bezeichnet. Das Vertrauen in ö-r- Fernsehen und Radio war am höchsten, auch bezogen auf deren Online-Content. Die Nutzer können also sehr wohl zwischen sachlich-journalistischer Berichterstattung im Netz und sogenannten Sozialen Medieninhalten unterscheiden, die nicht den Regeln und Routinen journalistischer Berichterstattung (z.B. Faktenckeck) gehorchen müssen.

Überraschend an Ottos Befund wäre, dass auch die politischen Ränder offenbar ein höheres Medienvertrauen im vergangenen Jahr entwickelt haben. Dies widerspricht bisherigen Studien, da die politischen Ränder tendenziell stärker Protest mobilisieren wollen und deshalb sachliche Nachrichten als „feindlich“ einstufen. Konkret geht es um das politisch rechte Spektrum. Hier bleibt die Pressemitteilung der Uni Würzburg allerdings vage, wie auch Thomas Pany in Telepolits kritisiert. Falls es stimmt, dass die öffentlich-rechtlichen Medien bei rechten Wählern Vertrauen zurückgewinnen konnten, stellen sich in der Tat Fragen an den Studienleiter Kim Otto – haben sie dann deren Themen stärker bedient? Denkbar wäre es, wenn man sich die Talkshowtitel ansieht.

Kommunikationswissenschaftler weisen seit längerem darauf hin, dass im Langzeitvergleich das Medienvertrauen relativ konstant bleibt und Deutschland zu den Ländern mit dem höchsten Medienvertrauen gehört. Womöglich hat die Fake-News Debatte einen Einfluss ausgeübt und jüngere Mediennutzer dazu bewogen, wieder stärker den traditionellen Medien zu vertrauen. Allerdings sollten sich die traditionellen Medien, allen voran die öffentlich-rechtlichen, nicht auf diesem Bonus ausruhen. Auf die Krise folgt die Konjunktur – es ist nicht gesagt, dass es immer so sein wird. Deshalb müssen öffentlich-rechtliche Medien weiterhin an der Verbesserung der inhaltlichen Qualität arbeiten und vor allem kritischer und unabhängiger gegenüber der Politik und antidemokratischen Strömungen werden. Ihr verfassungsmäßiger Auftrag verschafft ihnen diese Freiheit, die sie noch stärker nutzen sollten. Auch sollten sie verstärkt ihre alltägliche Arbeit transparent machen, so dass Menschen besser einschätzen können, wie Journalismus funktioniert.

03. April 2017 von Christine Horz
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#ARDZDF: Talkshows einseitig und verzerrend

Die Talkshows von ARD und ZDF sind einseitig und verzerrend. Zu diesem Urteil kommt der Dortmunder SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow. Er hat über eineinhalb Jahre die Talkshowthemen der öffentlich-rechtlichen Sender ausgewertet und bestätigt mit seinen Beobachtungen, was Kommunikationswissenschaftler seit Jahren kritisieren. Von insgesamt 204 Sendungen in diesem Zeitraum setzte jede zweite Sendung das Thema Flüchtlinge, Islam und Terrorismus auf die Agenda. Rechstextremismus wurde nur in einer Sendung thematisiert – und das obwohl es im letzten Jahr über 3600 Anschläge auf Geflüchtete und Asylbewerberheime gegeben hatte. Andere Themen wie Armut (sechs Sendungen) und Klimawandel (o Sendungen) waren kaum oder gar nicht Thema.

Auch wenn es sich nicht um eine repräsentative Studie handelt, so wird doch deutlich, dass die öffentlich-rechtlichen Medien mit ihren Talkshows selbst Akteure im  populistischen Diskurs über Migration sind. Das ist geradezu skandalös und hier ist dringender Korrekturbedarf gegeben. Die Sender müssen darüber nachdenken, die selektive und einseitige Themenauswahl zugunsten eines differenzierteren Themenspektrums zu ändern, um nicht dem steigenden Rassismus in die Hände zu spielen. Dabei sollen sie selbstverständlich auch problematische Aspekte der Migration ansprechen.  Bülows Beobachtung macht deutlich, dass es angebliche Redeverbote bezüglich Flucht nicht gibt – im Gegenteil: wie seit Jahren wird das Thema (zu) ausführlich und zumeist negativ dargestellt.

Die Sender haben einen gesellschaftspolitischen Auftrag. Dem sollten sie auch beim Thema Einwanderung gerecht werden.

24. März 2017 von Christine Horz
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