#metoo: der NDR und das mediale Sexismusproblem

Schon viel ist darüber getwittert und geschrieben worden – der NDR hat ein Sexismus-Problem und ist offenbar Wiederholungstäter. Gestern abend sollte die Sendung Anne Will just über das Sexismus Problem zu sprechen, als die Kamerafahrt Verena Poths Körper von unten nach oben abfilmte.

Das Problem-Dispositiv des Sexismus in den Medien umfasst aber nicht nur den voyoristischen Blick auf Frauen, die mediale Aufmerksamkeit auf die jugendlich-schöne Frau oder Statistenrollen, die Frauen häufig in Fernsehsendungen einnehmen – viele würden den Bechdel-Test wohl nicht bestehen – das Problem ist breiter und tiefer zu fassen, denn alle „Minderheiten“ (im konzeptionellen Sinne, der ja gerade den tatsächlichen Bevölkerungsanteilen widerspricht) sind betroffen. So werden nicht nur Frauen als Objekte inszeniert, sondern auch Eingewanderte, Geflüchtete, Angehörige religiöser Minderheiten wie dem Islam sowie Schwarze Menschen. Öffentlich-rechtliche Medien haben nicht nur ein Sexismus-Problem sondern auch ein Rassismus-Problem. Wer nachlesen möchte, wie sich Betroffene fühlen, findet in den Kommentarspalten einer Petititon zahlreiche Belege. Häufig werden diese Kategorien intersektionell miteinander vermischt, also beispielsweise das Geschlecht und die Herkunft. Das Ausmaß der Probleme ist zum Teil sicher damit zu erklären, dass Frauen in den Berufen hinter der Kamera nach wie vor rar sind. Chefredakteurinnen gibt es selten und ein weiteres Problem ist die Beratungsresistenz der öffentlich-rechtlichen Sender, wenn es um die Forderung nach umfassender Schulung aller Mitarbeiter – auch jene der Kooperationsfirmen – und eines konsistenten Diversity Konzepts geht.

In der Tat sollten die öffentlich-rechtlichen Sender hier Vorbild für andere gesellschaftliche Institutionen sein, weil ein zentraler Auftrag diskrimminierungsfreie Inhalte betrifft. Sexismus und Rassismus sollten hier schon gar nicht vorkommen.

 

14. November 2017 von Christine Horz
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@mediasres: Mehr direkte Demokratie in den öffentlich-rechtlichen Medien?

Dominik Schottner, Redakteur des Deutschlandfunks,  stellt in der  Sendung Mediasres die Frage mit welchen Modellen die ÖRM demokratischer werden könnten. Hierzu interviewte er Christine Horz (Vorstand Verein zur Etablierung von Publikumsräten e.V) sowie die Präsidentin des Schweizer Publikumsrats, der als Beratungsgremium bereits fest im Mediensystem der Schweiz etabliert ist und von den Rundfunkanstalten als Dialogpartner und konstruktiver Kritiker geschätzt wird.

Den Beitrag können Sie hier lesen/hören.

 

 

14. November 2017 von Christine Horz
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#Depublizieren: 7-Tage-Löschfrist bei ARD und ZDF fällt weg!

Die 7-Tage-Löschfrist für Online-Inhalte in den Mediatheken von ARD und ZDF soll wegfallen. Darauf einigten sich die Ministerpräsidenten der Länder, wie golem.de berichtet:

„‚Die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder sind sich darüber einig, dass die Verweildauern für Sendungen und auf Sendungen bezogene Telemedien über die bisher geltende Sieben-Tage-Regelung hinaus ausgedehnt werden sollen und die Regelung zum Verbot presseähnlicher Angebote weiter konkretisiert werden soll.‘

Die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) erklärte zu der Siebentagefrist: ‚Wir wollen das auflockern und verändern.‘

Außerdem werde das Verbot presseähnlicher Angebote ‚weiter konkretisiert. Es ist nicht vorstellbar, dass öffentlich-rechtlicher Rundfunk heutzutage nicht die Möglichkeit hat, auch online bestimmte Dinge zu tun.‘ Dies dürfe jedoch nicht zu höheren Ausgaben führen.“

Beim ZDF seien bereits dreiviertel aller Dokumentationen gelöscht worden.

Angesichts des hohen kulturellen Werts der audio-visuellen Inhalte ist dieser Schritt überfällig. Umso erfreulicher ist es, dass diese unsinnige Regelung, die zudem Kapazitäten in den Sendern bindet, endlich abgeschafft wird.

22. Oktober 2017 von Christine Horz
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#DerSpiegel: Titelthema verschweigt Reformvorschläge für ARD und ZDF

Der Spiegel titelt in seiner aktuellen Ausgabe reißerisch:  „Die unheimliche Macht. Wie ARD und ZDF Politik betreiben.“ Im Heftinneren geht es dann aber um den Vertrauensverlust in die beiden öffentlich-rechtlichen Sender. Leider erwähnt der Artikel weder die Initiative Publikumsrat mit keinem Wort, die immerhin schon seit 2013 recht erfolgreich Reformvorschläge für die Öffentlich-Rechtlichen unterbreitet, noch die jüngste Initiative von 45 WissenschaftlerInnen, die 10 Thesen zur Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien vorgelegt haben. An der Formulierung der Thesen war die Initiative Publikumsrat ebenfalls intensiv beteiligt.

Es ist anzunehmen, dass diese Auslassung seitens  der SPIEGEL-Redakteure bewußt vorgenommen wurde, um die Polarisierung in der Debatte um die Zukunft von ARD und ZDF weiter zu befeuern. Schließlich kämpft auch der SPIEGEL als Printprodukt in einer digitalen Medienumgebung mit sinkenden Werbeerlösen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass er grundsätzlich dem Verband der Zeitschriftenverleger (VDZ) sowie dem Bundesverband der Zeitungsverleger (BDVZ)  folgt, der immer wieder durch massive und sachlich falsche Attacken gegen die bürger-finanzierten Sender auffällt, wie zuletzt dessen Vorsitzender Mathias Döpfner. Der Deutschlandfunk erklärt, warum ausgerechnet jetzt die Schärfe der Angriffe zunimmt:

„Dass Döpfner und andere Zeitungsverleger im Moment besonders laut öffentlich-rechtliche Sender kritisieren, liegt daran, dass aktuell wichtige Entscheidungen anstehen. Die zuständigen Medienpolitiker diskutieren etwa über die Frage, welche Regeln in Zukunft für die Online-Angebote  der Öffentlich-Rechtlichen gelten sollten.“

Die Internet-Angebote der Sender seien zu textlastig, so der Vorwurf, und würden dadurch zu „presse-ähnlich“. Wie Fernsehen oder Information ohne journalistischen Text funktionieren, und wie die Bestandts- und Entwicklungsgarantie für die öffentlich-rechtlichen Medien dann gestaltet werden soll erklärt der Vorsitzende des BDVZ aber nicht.

Es ist deshalb nicht nur schade, dass DER SPIEGEL, als bekanntestes deutsches Nachrichtenmagazin, die Debatte nicht einordnet und wichtige Akteure, die sich für vernünftige Reformen einsetzen unerwähnt lässt. Letztlich müssen sich die Autoren den Vorwurf gefallen lassen, nicht den Qualitätsansprüchen guten Journalismus‘ zu genügen –  und damit eher die Glaubwürdigkeit des SPIEGEL als jene der Öffentlich-Rechtlichen zu untergraben.

10. Oktober 2017 von Christine Horz
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Debatte um Reform von #ARD und #ZDF in vollem Gange

Nachdem das ZDF im letzten Jahr ein Gutachten zu Legitimation und Auftrag des Senders in digitalen Medienumgebungen veröffentlicht hat, legt nun auch die ARD ein Papier vor, dass die zukünftigen senderinternen Bemühungen um Strukurreformen zusammenfasst. Es geht darin um Einsparungen durch Synergieeffekte, aber auch um die Weiterentwicklung des gemeinwohlorientierten Ansatzes der durch Bürger mit finanzierten Sender. Sie grenzen sich dabei von den kommerziellen Sendern ab, die vor allem auf Profitmaximierung zielen. Hier haben ARD und ZDF sicher Nachholbedarf, zu sehr haben sie in der Vergangenheit auf die Quote geschielt, teuere Fussballrechte erworben, obwohl ein Großteil der ZuschauerInnen wenig Interesse daran hat uvm.  Dennoch: es ist sehr positiv zu bewerten, dass die Sender die Zeichen der Zeit erkannt haben und auch BürgerInnen künftig stärker einbeziehen wollen.

Erst kürzlich hatten 45 Wissenschaftler 10 Thesen zur innovativen Strukturreform der Öffentlich-Rechtlichen Medien vorgelegt, die zu einer breiten öffentlichen Debatte geführt haben.

Was denken Sie über die Papiere und wo sehen Sie dringenden Reformbedarf? Bitte kommentieren Sie!

(Aber erst lesen, bitte …)

05. Oktober 2017 von Christine Horz
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#ZDF: Fernsehrat debattiert „ungüblich lange“ über AfD Berichterstattung

In seiner Sitzung vom Freitag, 29.09.2017, hat sich der ZDF-Fernsehrat mit der öffentlichen Kritik an der Berichterstattung des Senders über die AfD im Wahlkampf befasst. Ihm wird vorgeworfen, er habe zu ausführlich über die Partei berichtet, deren Politiker immer wieder durch rechtsextreme Provokationen auffallen.

Die Debatte im Fernsehrat sei unüblich lang gewesen zitiert der Kölner Stadtanzeiger. Der ZDF-Intendant Bellut wies die Kritik in der anschließenden Pressekonferenz erwartungsgemäß zurück.

In Planet Interview können Sie die Fragen der JournalistInnen zu den Themen AfD Berichterstattung, Finanzierung, Betriebsrente, sowie zu den 10 Thesen der 45 WissenschaftlerInnen sowie die Antworten des Intendanten und der Fernsehratsvorsitzenden Thieme nachlesen.

 

 

02. Oktober 2017 von Christine Horz
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#ZDF: Fernsehrat will über AfD-Berichterstattung debattieren

Hat das ZDF im Wahlkampf zu oft über die AfD berichtet? Dieser Frage wird am kommenden Freitag der ZDF Fernsehrat nachgehen. Konkrete wissenschaftliche Studien liegen noch nicht vor, doch Politiker zahlreicher Parteien kritisieren, das ZDF habe der rechtspopulistischen Partei zu viel Sendezeit eingeräumt. CDU und CSU gehören zu den Hauptkritikern. Vor allem der Spitzenkandidat der rechstkonservativen CSU, Herrmann, hat sich in der „Berliner Runde“ (ARD) am Sonntag dazu geäußert – was aufgrund des Kampfes beider Parteien um die Gunst der Wähler rechts der Mitte wenig verwunderlich ist.

Die Tagesordnung der Fernsehratsssitzung am 29.9.2017 weist diesen Diskussionspunkt jedoch nicht explizit aus. Der ZDF Fernsehrat tagt öffentlich, nehmen Sie also daran teil! Auch wenn das ZDF die Uhrzeit wie immer nicht im Online-Portal vermerkt – die Fernsehratssitzung beginnt um 8.30 Uhr.

 

27. September 2017 von Christine Horz
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#ZDFFernsehrat: Bund Deutscher Zeitungsverleger (BDVZ) erwägt Klage

Im Streit um den Sitz der Zeitungsverlegerlobby im ZDF Fernsehrat verhärten sich offenbar die Fronten. Seit einem Jahr ist der Sitz unbesetzt, weil der ZDF Fernsehrat den vorgeschlagenen BDVZ-Lobbyisten, den Verleger Valdo Lehari jr. nicht akzeptiert. Lehari leitet den Verwaltungssrat des Privatradios Antenne 1. Der ZDF Staatsvertrag legt aber fest, dass Aufsichtsratsmitglieder privat-kommerzieller Medien nicht gleichzeitig im Fernsehrat des öffentlich-rechtlichen ZDF sitzen dürfen. Anderen BDVZ Vertretern ohne diese Funktion steht jedoch ein Sitz zu.

Die Verlegerlobby wettert immer wieder gegen öffentlich-rechtliche Sender und deren Digitalstrategie (tagesschau-App). Zuletzt hat Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE und Präsident des BDVZ fälschlicherweise behauptet, die Öffentlich-Rechtlichen seien Staatssender. In populistischer Manier verglich er sie mit dem Staatsfernsehen in Nord-Korea. Tatsächlich sind die öffentlich-rechtlichen im eigentlichen Sinne bürgereigen, denn diese finanzieren sie hauptsächlich durch ihre Rundfunkbeiträge. Dass ÖRM kritikwürdig sind, weil sie u.a. versäumt haben, Bürger stärker einzubinden haben wir hier mehrfach diskutiert.

Die Verleger betrachten ARD und ZDF als Konkurrenten, die zudem den Wettbewerb verzerren. Diese Sichtweise ist mindestens zu kurz gedacht. Beide sind Verfechter des Meinungspluralismus. Viele Zeitungen/Zeitschriften sowie ARD/ZDF tragen zur Qualität im Journalismus bei und befruchten sich dabei wechselseitig. Beide sind mehr als die Summe ihrer Teile. Tatsächlich sitzen den Verlegern jedoch Intermediäre wie Google und Facebook im Nacken. Ihre Plattformen ziehen immer mehr Werbekunden vom klassischen Zeitungsmarkt ab. Sie brauchen sie aber auch, um mehr Kunden zu erreichen. Verlagen wie Axel Springer ist der Weg in die digitale Welt bislang gelungen, kleinere Verlage hinken hinterher. Dehalb das Feindbild Öffentlich-Rechtliche – und nicht Intermediäre. Aus taktischen Gründen dürfte es dem BDVZ deshalb so enorm wichtig sein, ihren Kandidaten Lehari jr. im ZDF Fernsehrat zu platzieren. Dort werden schließlich die Debatten um die zukünftige Strategie geführt.

25. September 2017 von Christine Horz
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#ZukunftÖR: Die Verantwortung der Bürger und Bürgerinnen

Am gestrigen 10. September erschien der Offene Brief von Wissenschaftler*innen, Medienexpert*innen und Zivilgesellschaft zur Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien (ARD, ZDF, Deutschlandradio). Der Tagesspiegel berichtete darüber und zahlreiche Leser*innen kommentierten den Beitrag.

Viele davon wollen die von ihnen als „Staatsmedien“ bezeichneten Sender abschaffen, da ihrer Ansicht nach der politische Einfluss zu groß ist.

Die Initiative Publikumsrat, die an den Thesen mitgearbeitet hat, möchte an die Kommentatoren und alle, die ähnlich denken appellieren: Öffentlich-rechtliche Medien sind alles andere als Staatsfunk. Ganz sicher gibt es einiges daran zu kritisieren, wie z.B. eine Berichterstattung, die nicht immer die gebotene kritische Distanz zur politischen Großwetterlage wahrt. Dennoch: sie tragen zum Medienpluralismus bei. Und: jede Gesellschaft bekommt die öffentlich-rechtlichen Medien, die sie verdient.

Will sagen: in der digitalen Gesellschaft liegt es auch in der Verantwortung der Bürger*innen die Öffentlich-Rechtlichen mitzugestalten. Und das bedeutet nicht, einfach nur Kritik und Wut in Kommentaren abzulassen. Das ist der Weg der Denkfaulen. Schließlich haben Bürger*innen heute anders als im Analog-Zeitalter mit den sogenannten sozialen Medien, Blogs, Homepages etc. zahlreiche Möglichkeiten, sich in den Diskurs einzuschalten.

Konstruktive Lösungsvorschläge sind gefragt.  Wenn sich Bürger*innen in Vereinen wie unserer Initiative zur Etablierung von Publikumsräten e.V.  organisieren, die  – jenseits der immer gleichen Staatsfunk-Leier – wirklich Ideen mitbringen – werden die Öffentlich-Rechtlichen sie hören müssen. Es ist vielleicht etwas anstrengender in Publikumsvereinen mitzumachen, als einfach nur zu kritisieren.

These 3 im Offenen Brief fordert genau das:

„Es geht auch um Transparenz von Entscheidungen hinsichtlich der Auftragsfortentwicklung sowie organisatorischer und programmlicher Umsetzung.

  • Zur Herstellung von mehr Transparenz und im Hinblick auf die heutige Kultur sollten die Gremien öffentlich tagen, soweit es nicht um Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse geht.
  • Gremien sollten aktiv den Austausch mit dem Publikum suchen, etwa durch
    • Tagungen,
    • bekannt gemachte Anlaufstellen (Ombudsstellen), die unabhängig zwischen Publikum und Sendeanstalten vermitteln, und/oder
    • Publikumsräte.
  • Die Berichte der Landesrechnungshöfe sollten öffentlich zugänglich sein.

Die von der ARD-Vorsitzenden Karola Wille gestartete Transparenzoffensive ist zu begrüßen. Transparenz muss dabei so hergestellt werden, dass Bürgerinnen und Bürger Entscheidungen verstehen und nachvollziehen können. Transparenz ist Voraussetzung für Mitgestaltungsmöglichkeiten des Publikums.“

Aber ohne ein aktives und konstruktives Publikum, das genau das einfordert, gibt es auch keine Mitgestaltungsmöglichkeiten.

So einfach ist das.

11. September 2017 von Christine Horz
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#ARD und #ZDF: Wahlkampf und Wirbelsturm

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF haben sich auf Wahlkampf und Wirbelsturm (aktuell: „Irma“) eingeschossen. Andere Themen, gar aus dem internationalen Kontext, kommen noch seltener auf den Bildschirm wie sowieso üblich.

Die Themenarmut deutscher Öffentlich-Rechtlicher fällt vor allem auf, wenn man andere europäische Partnersender wie etwa die BBC zum Vergleich heranzieht.  Auch wenn das koloniale Erbe sicher ein trifftiger Grund für den britischen Blick über den Tellerrand ist: in Zeiten internationaler Dependenz und Informationsflüsse über andere Kanäle wird das Versäumnis gerade angesichts der digitalen Entwicklung immer deutlicher.

Aktuelle Beispiele:

  • Die IS-Hochburg Dar-e-Sor in Syrien steht kurz vor der Befreiung durch Assads Truppen. In „heute“ und „tagesschau“ erfährt der Zuschauer davon nichts.
  • Die Vertreibung und der drohende Völkermord an den islamischen Rohingya-Minderheit in Myanmar wird mit dem Schweigen westlich-unterstützten Präsidentin und Friedensnobelpreisträgerin Aung Sang Suu Kyi quittiert.

Dass an Assad bei der Befriedung Syriens wohl niemand mehr vorbei kommt, oder dass Muslime vertrieben werden – das alles passt nicht in das Konzept der politischen Strategie des Westens.

Doch öffentlich-rechtliche Medien sollten Nachrichtenwerte wie (geostrategische und kulturelle) Nähe künftig weitaus kritischer reflektieren als bisher. Will sagen, unabhängiger berichten – bzw. überhaupt über diese Ereignisse berichten, die nur scheinbar wenig mit uns zu tun haben. Die ARD hat zwar eine Story zur Flucht der Rohingya im Radiosender Deutschlandfunk gebracht, doch in den Fernsehnachrichten zur besten Sendezeit ist davon wenig bis nichts zu erfahren.

Die steigende Zahl der Mediennutzer, die zugleich internationale Medien nutzen (Geflüchtete, Einwanderer, Expats) sind die ersten die aufgrund dieser Defizite die Öffentlich-Rechtlichen kaum mehr ernst nehmen. Es werden wohl nicht die letzten sein.

08. September 2017 von Christine Horz
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